Unbekannt ist Menorca nicht gerade – und doch zieht es viele regelmässig zur deutlich grösseren Nachbarinsel Mallorca. Dabei besticht Menorca trotz der überschaubaren Grösse mit atemberaubenden Buchten, ursprünglichen Naturlandschaften und pittoresken Dörfern. Ja, auch Menorca ist zur Hochsaison zwischen Juni und September stark frequentiert, doch es wird hier nicht annähernd so voll wie auf Ibiza oder Mallorca. Einige Ecken des Eilandes geniessen sogar heute noch Geheimtipp-Status – völlig zu Unrecht, mag man denken, wenn einem etwa die Cala Rafalet wie ein surreales Postkartenmotiv zu Füssen liegt.
Wir nehmen Sie mit zur unterschätzten Baleareninsel und zeigen, wo es auf Menorca am schönsten ist.
1 Cala Rafalet
Im Südosten der Insel, etwas nördlich vom Ferienort S’Algar, liegt die naturbelassene Bucht Cala Rafalet. Wer von S’Algar kommt und die Strandpromenade entlang läuft, sieht ihre Ausläufer bereits nach etwa zehn Minuten: Eine steile Klippe ragt ins Mittelmeer, bedeckt und eingerahmt von sattgrüner Vegetation – ein schöneres Fotomotiv findet sich selten. Um direkt zur rund zehn Meter langen Bucht zu kommen, müssen Reisende dann nochmals einen unwegsamen Pfad bestreiten, der über Felsen und Steine führt – das lohnt aber.
2 Binibeca
Dieses in Weiss getünchte und relativ junge Dorf – es entstand in den 1960er Jahren – wird häufig als das schönste auf ganz Menorca bezeichnet. Das hat sich herumgesprochen: Der Touristenansturm ist im Hochsommer teils so überwältigend, dass bereits über Massnahmen zur Eindämmung nachgedacht wird. Eine ist schon länger umgesetzt: Es gibt festgelegte Besuchszeiten, spätabends etwa dürfen Touristen nicht mehr durch die Gassen wandeln. Ausserdem haben viele Einwohner bereits Schilder mit deutlicher Botschaft an ihren Hauswänden angebracht: „Silenci si us plau” steht da, das ist Katalanisch für „Ruhe, bitte!”
Aus Respekt den Einwohnern gegenüber sollten Sie also vor Ort keinen Lärm machen und die zauberhaften weiss getünchten Häuser, die an Santorini erinnern – bis auf die Tatsache, dass ihnen die blauen Kuppeln fehlen – aus der Entfernung bestaunen. Zumindest so weit wie möglich: Die Häuserreihen sind eng, die kleinen Unterkünfte schmiegen sich aneinander und gewähren nur wenig Platz zum Durchkommen. Besonders frühmorgens oder unter der Woche lässt sich ein Binibeca-Besuch aber noch ohne Menschenmassen geniessen. Dann bieten die malerischen, kopfsteingepflasterten Gassen, die hölzernen Balkone, auf denen die Einheimischen ihre Wäsche trocknen, und die Bougainvilleen, die sich an den Häusern entlang ranken, eine besonders idyllische Szenerie.
Direkt an Binibeca grenzt eine wunderschöne Bucht, in der kleine Boote dümpeln, das Wasser ist glasklar. Hier kann man auch baden. Gesäumt wird sie von zerklüfteten Felsen und vereinzelten Häusern, die auf der Klippe thronen. Die Menorcer nennen ihr Lieblingsdorf oft auch Binibèquer, auf den Strassenschildern finden Sie diese Bezeichnung.
3 Cala Macarella und Cala Macarelleta
Als Schwester-Buchten könnte man diese beiden bezeichnet: die Cala Macarella und die benachbarte, kleinere Cala Macarelleta im Südwesten Menorcas. Sie gehören mit ihren Stränden zu den beliebtesten Badebuchten des Eilands, daher sind sie in der Hochsaison recht voll. Das tut ihrer Schönheit aber keinen Abbruch: Der Kontrast zwischen dem feinen, puderweißen Sand und dem türkisfarbenen, klaren Wasser ist betörend. Beide Buchten werden von Kalkstein und Kiefern gesäumt.
Sowohl zur Cala Macarella als auch zur Cala Macarelleta lässt es sich bestens wandern. Aber auch eine Bootstour ab Ciutadella bietet sich an. Parkplätze gibt es ebenfalls ganz in der Nähe. Vor Ort können Besucher nicht nur schwimmen und sonnenbaden – auch zum Tauchen und Schnorcheln sind die beiden Traumbuchten gut geeignet. Empfehlenswert: Besuchen Sie beide Buchten und nutzen den Wanderweg Camí de Cavalls, um von einer zur anderen zu gelangen. Er gewährt grandiose Ausblicke auf das türkisfarbene Mittelmeer, das Wandernden hier zu Füssen liegt.