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São Miguel

Unberührter Osten

Nordeste und das Povoação-Massiv

Nordeste und das Povoação-Massiv

Der älteste, gebirgigste und am dichtesten bewaldete Teil der Insel mit tiefen Schluchten und hohen Klippen.

Der unberührte Osten von São Miguel wird durch das Povoação-Massiv und den Kreis Nordeste gebildet, welche erdgeschichtlich die ältesten Regionen der gesamten Insel darstellen. Geologisch handelt es sich hierbei um den stark erodierten Vulkankomplex von Povoação und die Reste des uralten Nordeste-Schildvulkans, dessen Aktivität schon vor Hunderttausenden von Jahren erlosch. Da die vulkanische Aktivität hier am längsten ruht, hat die Erosion tiefe, steile Schluchten und schroffe Täler in das Gestein gegraben. Das Landschaftsbild wird von monumentalen Steilküsten geprägt, die hunderte Meter fast senkrecht in den Atlantischen Ozean abfallen.

Im Landesinneren erhebt sich das gewaltige Gebirge der Serra da Tronqueira, zu dem auch der Pico da Vara gehört, mit 1.103 Metern der höchste Gipfel der Insel. Die Hänge dieses Gebirges sind von dichtem, urzeitlichem Lorbeerwald (Laurissilva) bedeckt, der als wichtiges Naturschutzgebiet deklariert ist. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und häufige Staunässe an den Bergen präsentiert sich die Natur hier in einem extremen, fast dschungelartigen Grün. Zahlreiche wilde Bäche und tosende Wasserfälle stürzen durch die dichte Vegetation hinab in Richtung Küste. Die Orte hier wie Gorreana und Porto Formoso oder auch Maia gehören zur Gemeinde Ribeira Grande, leiten aber landschaftlich direkt über zu den Dörfern von Nordeste. Mit den Steilklippen der Ponta da Maia, den alten Wassermühlen und dem Wanderweg zur Praia da Viola atmet die Gemeinde bereits voll und ganz die urwüchsige, raue Natur der 5. Region (Nordeste).

Die Ortschaften Nordeste und Povoação liegen isoliert in tiefen, geschützten Tälern oder thronen hoch oben auf den massiven Küstenplateaus. Insgesamt gilt diese Region aufgrund ihrer rauen, wilden Topografie als der unberührteste, am wenigsten besiedelte und mystischste Teil von São Miguel. Die Ortschaften verbinden sich klimatisch durch ein dynamisches Wind- und Wettersystem, das durch das Massiv des Pico da Vara gesteuert wird. Der von Norden kommende Nordostpassat trifft ungebremst auf Nordeste, wodurch feuchte Luftmassen an den Hängen des Pico da Vara aufsteigen und dort abregnen. Povoação liegt im Süden im Windschatten des Berges und profitiert von geschützterem, milderem Wetter. Die Abhängigkeit zeigt sich im Wasserkreislauf: Die in Nordeste generierten Wolken speisen die Quellen des Bergmassivs, deren Wasser essenziell für die Landwirtschaft im trockeneren Süden ist. So sorgt das Gebirge im Zusammenspiel mit dem Wind für ein ökologisches Gleichgewicht zwischen den ungleichen Regionen.

Der Unberührte Osten (Region 5) als Vulkanmassiv bis zur Küste, im Uhrzeigersinn

Die Wasserfälle in dieser Region hängen direkt mit dem Windsystem zusammen. Der feuchte Nordostwind, der am Pico da Vara aufsteigt, sorgt im Norden für konstanten Regen und speist das Grundwasser. Durch das steile Gefälle des Bergmassivs stürzt dieses Wasser an vielen Stellen tief hinab. Besonders bekannte Wasserfälle sind im wasserreichen Nordeste der Salto da Farinha als rund 40 m hoher Wasserfall. Im geschützteren Povoação (Süden) sind es der Cascata da Ribeira Quente und der Salto do Prego. Ersterer ist ein seltener, thermischer Wasserfall, durch vulkanische Aktivität erwärmt. Er liegt versteckt zwischen zwei Tunnelabschnitten an der Strasse Richtung Ribeira Quente. Der Salto do Prego ist ein versteckter Wasserfall bei Faial da Terra, erreichbar über einen dichten Dschungelpfad. Er wird von den Gebirgsbächen gespeist.

Aufteilung in die 5 Regionen
3 jeweils runde Bereiche, West (Sete Cidades), Ost (Nordeste) und Mitte (Lagoa Fogo) mit den Vulkankomplexen. Dazwischen die Ebene Halbwest (Ponta Delgada) und Halbost (Lagoa Furnas).

Der Povoação-Komplex (Vulkan von Povoação) ist das älteste der drei aktiven Vulkansysteme auf São Miguel. Er ist bekannt als die Wiege der Insel (Ort der ersten Besiedlung im 15. Jh.) und zeichnet sich durch eine dramatisch erodierte Caldera aus, die von sieben grünen Hügeln umgeben ist. [1, 2, 3, 4]

Details zur Erkundung des Massivs:

  • Lage: Äusserster Südosten der Insel São Miguel, 60 Autominuten von Ponta Delgada entfernt. [1]
  • Aussichtspunkte: Vom Miradouro do Pico dos Bodes (mit markanter Holzplattform) oder dem Miradouro do Pôr-do-Sol mit grandiosem Ausblick auf die sieben Hügel, das Tal und die Südküste. [1, 2]
  • Wandern: Der Povoação Countryside Loop (11,7 km) führt durch die ländlichen Täler der alten Vulkangeographie. Sehr beliebt ist auch der Weg zum versteckten Wasserfall Salto do Prego bei Faial da Terra. [1, 2, 3]
  • Umgebung: Die Küstengemeinde Povoação bietet den vulkanischen Schwarzsandstrand Praia da Povoação, historische Kirchen und das malerische, im Tal liegende Fischerdorf Ribeira Quente. [1, 2, 3]
  • Hinweis: Anders als Sete Cidades oder Furnas besitzt die Caldera von Povoação keinen grossen, zentralen Kratersee mehr, da das Massiv geologisch viel älter und durch tiefe Flusstäler (Ribeiras) stark zerklüftet ist. Berühmt ist der Ort für seine Fofas da Povoação – ein traditionelles, lokales Krapfengebäck mit Vanillecreme, das man morgens in den Konditoreien probieren sollte.

Charaktere «Unberührter Osten», Region 5

Charaktere reg5

Sehenswürdigkeiten «Unberührter Osten», Region 5

Nordeste reg5a
Ponta do Arnel reg5b
Povoação reg5c
Ponta da Madraguda reg5d
Pico da Vara reg5e
Maia reg5f
Faial da Terra reg5g

Das absolute Highlight für Naturliebhaber ist der Naturpark Ribeira dos Caldeirões, wo historische Wassermühlen inmitten von üppigen Gärten und einem spektakulären Wasserfall stehen. Atemberaubende Ausblicke über die Steilküste bieten die liebevoll mit Blumenbeeten angelegten Aussichtspunkte Miradouro do Sossego und Miradouro da Madrugada. Wanderer zieht es vor allem auf den anspruchsvollen Trail zum Gipfel des Pico da Vara oder durch das idyllische Tal von Faial da Terra zum versteckten Wasserfall Salto do Prego. Wer die Einsamkeit am Meer sucht, findet am wilden, von Klippen eingerahmten Strand Praia do Lombo Gordo ein raues Naturparadies.

Die Anreise in den Osten erfolgt heute am schnellsten von Ponta Delgada aus über die gut ausgebaute Nord-Schnellstraße (EN1-1A) in etwa 45 bis 60 Minuten. Alternativ bietet die kurvenreiche Südroute über Vila Franca do Campo und Furnas eine landschaftlich wunderschöne, aber deutlich zeitaufwendigere Fahrt nach Povoação.

Ein eigener Mietwagen ist für diese Region dringend zu empfehlen, da die öffentlichen Busse nur selten am Tag fahren und viele abgelegene Aussichtspunkte sonst nicht erreichbar sind. Die Strassen im Inneren des Massivs, wie die Schotterpiste durch die Serra da Tronqueira, erfordern aufgrund ihrer Steilheit und Enge ein konzentriertes Fahren. Für die Gipfelbesteigungen und Bergstrassen sollte zudem unbedingt vorab das Wetter über Webcams geprüft werden, da sich in den Höhenlagen schnell dichter Nebel festsetzt.